Broschüre: Erklärung der Verschwörung der Zellen des Feuers

Veröffentlicht auf von Anarchistische Aktion Zentralschweiz

Einige Gedanken zum Text…

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Das Bekennerschreiben der Verschwörung der Zellen des Feuers thematisiert verschiedenste Bereiche der anarchistischen Diskussion: Zu Beginn setzt sich der Text mit der Bereitschaft zum Griff zu Waffen auseinander. Desweiteren wird Klassenbewusstsein in unserer lethargischen Gesellschaft negiert, obwohl ihr Bestehen nicht geleugnet werden kann. Auf die soziale Polarisation und Normierung der kapitalistischen Wertesysteme, welche unser Leben durchdringen, kann entweder mit Resignation und Apathie oder Kampf und Widerstand geantwortet werden. Zuletzt wird auch die Solidaritäts – und Unterstützungskampagne für die Guerillagruppen und die gefangenen RebelInnen thematisiert.

 

Der griechische Kontext der revolutionären Gefangenen der Zellen des Feuers unterscheidet sich deutlich von anderen europäischen Ländern, insbesondere dem deutschsprachigen Raum. Das Beispiel Griechenland ist geprägt von immer wiederkehrenden Generalstreiks und besonders heftigen sozialen Unruhen. Die historischen Hintergründe von Bürgerkriegen und Militärdiktatur lässt den Bezug zur politischen und revolutionären Gewaltanwendungen in einem ganz anderen Verhältnis erscheinen. Trotzdem sind wahrscheinlich die Diskussionen über die Gewaltanwendungen gegen Lebewesen ebenfalls so häufig und kontrovers wie in anderen linksradikalen und anarchistischen Zusammenhängen.

Wir hoffen, dass mit diesem Text eine konstruktive(re) Auseinandersetzung angeregt wird, jedoch nicht, dass wie üblich die Gewaltfrage die anderen ebenfalls sehr wichtigen Inhalte hinwegfegt.

 

Nach der Herausgabe der ersten Broschüre zum internationalen Hungerstreik von anarchistischen Gefangenen 20. Dezember – 1. Januar 2009 / 2010 und der zweiten Broschüre zur Kritik an den Nanotechnologien, veröffentlichen wir nun eine Erklärung zu den gefangenen Revolutionären des Zellen des Feuers. Alle Texte wurden von Marco Camenisch – der seit 1991 in der Schweiz im Knast sitzt – übersetzt. An dieser Stelle wünschen wir ihm nach dieser extrem langen Zeit in Gefangenschaft und Isolation weiterhin viel Kraft und Motivation Texte von GenossInnen in der ganzen Welt zu übersetzen und finden, dass er möglichst bald freigelassen werden muss!

 

 

 

Hier kann die Broschüre heruntergeladen werden: link

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text:

 

Erklärung der Verschwörung der Zellen des Feuers vom 25. November 2010

 

Von Culmine/Cenere

 

Übersetzung aus dem Englischen ins italienische: cenere, it>dt mc, Orbe, CH

 

 

 

 

Ihnaltsverzeichnis

 

 

Einleitung

 

Erklärung zu den verhafteten Genossen

 

 

 

I) Waffenruhe? Nie und nirgends

 

II)Anarchistische Militante, die neue Stadtguerilla, die Revolutionäre Gruppe Verschwörung der Zellen des Feuers

 

III) Die antisoziale Tendenz und das Komplizentum der Gesellschaft

 

IV) Wirtschaftskrise, soziale Polarisierung, unsere Chance.

„Das Sichtbare wird zur Gegenwart“

 

V) Anarchoindividualismus, das Konzept der wahren Kollektivität

 

VI) Auge um Auge

 

VII) Die Aktionen sprechen nicht von selbst für sich

 

VIII) Der Tag, an dem nicht alle zurückkehrten

 

IX) Solidaritäts- und Unterstützungskampagne für die Guerillagruppen und die gefangenen RebellInnen

 

 

Einleitung

 

Einige Gedanken zum Text…

 

Das Bekennerschreiben der Verschwörung der Zellen des Feuers thematisiert verschiedenste Bereiche der anarchistischen Diskussion: Zu Beginn setzt sich der Text mit der Bereitschaft zum Griff zu Waffen auseinander. Desweiteren wird Klassenbewusstsein in unserer lethargischen Gesellschaft negiert, obwohl ihr Bestehen nicht geleugnet werden kann. Auf die soziale Polarisation und Normierung der kapitalistischen Wertesysteme, welche unser Leben durchdringen, kann entweder mit Resignation und Apathie oder Kampf und Widerstand geantwortet werden. Zuletzt wird auch die Solidaritäts – und Unterstützungskampagne für die Guerillagruppen und die gefangenen RebelInnen thematisiert.

 

Der griechische Kontext der revolutionären Gefangenen der Zellen des Feuers unterscheidet sich deutlich von anderen europäischen Ländern, insbesondere dem deutschsprachigen Raum. Das Beispiel Griechenland ist geprägt von immer wiederkehrenden Generalstreiks und besonders heftigen sozialen Unruhen. Die historischen Hintergründe von Bürgerkriegen und Militärdiktatur lässt den Bezug zur politischen und revolutionären Gewaltanwendungen in einem ganz anderen Verhältnis erscheinen. Trotzdem sind wahrscheinlich die Diskussionen über die Gewaltanwendungen gegen Lebewesen ebenfalls so häufig und kontrovers wie in anderen linksradikalen und anarchistischen Zusammenhängen.

Wir hoffen, dass mit diesem Text eine konstruktive(re) Auseinandersetzung angeregt wird, jedoch nicht, dass wie üblich die Gewaltfrage die anderen ebenfalls sehr wichtigen Inhalte hinwegfegt.

 

Nach der Herausgabe der ersten Broschüre zum internationalen Hungerstreik von anarchistischen Gefangenen 20. Dezember – 1. Januar 2009 / 2010 und der zweiter Broschüre zur Kritik an den Nanotechnologien, veröffentlichen wir nun eine Erklärung zu den gefangenen Revolutionären des Zellen des Feuers. Alle Texte wurden von Marco Camenisch – der seit 1991 in der Schweiz im Knast sitzt – übersetzt. An dieser Stelle wünschen wir ihm nach dieser extrem langen Zeit in Gefangenschaft und Isolation weiterhin viel Kraft und Motivation Texte von GenossInnen in der ganzen Welt zu übersetzen und finden, dass er möglichst bald freigelassen werden muss!

 

 

Erklärung zu den verhafteten Genossen

 

Zurzeit sind drei unserer Brüder, drei Mitglieder unserer Gruppe in den Knästen der griechischen Demokratie gefangen. Ihr Fehlen an unserer Seite kann durch den Text einer Erklärung nicht wettgemacht werden. Die Worte scheinen verzweifelt etwas Kleines und Unbedeutendes gegenüber der Intensität der Situation und der Gefühle zu sein, die wir mit ihnen teilen.

 

Aber auch während diesen Momenten, wenn die Wände und die Gitter des Knastes um uns herum auftauchen, ändert sich nichts.

 

Gerasimos Tsakalos, Panagiotis Argyrou und Charis Hatzmichelakis geben uns durch ein unbeugsames Verhalten und die Übernahme ihrer Verantwortung als Mitglieder der Verschwörung das Signal zur Weiterfüh-rung der Feindseligkeiten. In ihrem Stolz finden wir unseren Stolz wieder und in ihrem Lächeln unser Lächeln. Panagiotis und Gerasimos, zwei der aufrichtigsten und würdigsten Rebellen lebten in den letzten anderthalb Jahren jenseits der Grenzen der Legalität als Entscheidung zum andauernden Kampf gegen das System und seine AusbeuterInnen.

 

Charisist seit eineinhalb Jahren gefangen, wegen seinen zahlreichen Bezügen (insgesamt wurden auf Grund der in seiner Wohnung gefundenen Fingerabdrücke 17 Personen der Teilnahme an der Verschwörung ange-klagt) von der Polizei als Ziel betrachtet hat er anfänglich verneint ein Mit-glied der Gruppe zu sein. Aber kurz nach der eben erfolgten Verhaftung unserer beiden Brüder haben ihn seinen Stolz und seine Würde als Rebell dazu bewogen, die politische Verantwortung seiner Mitgliedschaft bei der Verschwörung der Zellen des Feuerszu übernehmen.

 

Es gibt nicht viel darüber zu sagen. Wir pflegen nicht stellvertretend für unsere Brüder zu sprechen, wir ziehen es vor, direkt zu ihnen zu sprechen. Im Moment bieten wir ihnen unsere Anstrengungen an... „Wir ziehen uns nicht zurück... wir widerstehen, wir versuchen nicht... wir schaffen es , wir betteln nicht... wir rauben, wir verschwinden nicht... wir brandschatzen, wir warten nicht... wir schauen nach vorne... Die Verschwörung kann nie aufgehalten werden, weil sie nicht nur eine Gruppe ist, sie ist eher der Fluss einer Idee und Ideen können nicht aufgehalten werden... jeder Tag ist in unserem Tagebuch noch nicht notiert. Jeder Monat, jede Woche, jeder Tag ist noch frei. Einer dieser Tage wird von einem Lächeln gezeichnet sein, das Lächeln unserer Begegnung zum Rest UNSERES Abenteuers...“

 

„Wir sind andauernd in Bewegung, nach dem Ton und dem Rhythmus des Klanges unseres Pulses. Die ganze Gruppe wie ein Körper, eine Seele... Das ist für uns die Revolution...“

 

Da alles weitergeht erklären wir, dass von heute an und weiter die Revolutionäre Gruppe der Verschwörung der Zellen des Feuers sich durch zwei unabhängige Gruppen aus derselben Ebene ausdrücken wird. Eine aus denen, die sich als die Gesamtheit der Gesetzlosen der Gruppe beschreiben, und eine andere, die aus der Gesamtheit der gefangenen Mitglieder der Gruppe gebildet ist (Gerasimos Tsakalos, Panagiotis Argy-rou und Charis Hatzmichelakis), zusammen mit allen gefangenen Genoss-Innen, die unsere Werte und unsere Prinzipien mit uns teilen möchten.

 

Von jetzt an sind unsere Worte ihre Worte, während ihre Entscheidung uns alle vertreten. Wir werden unser Bestes tun um ihre Erwartungen und ihr uns ehrendes Vertrauen zu erfüllen...

 

FÜR DIE VERSCHWÖRUNG DER ZELLEN DES FEUERS

FÜR DIE REVOLUTION

GRUPPE DER GESETZLOSEN V.Z.F.

 

I) Waffenruhe? Nie und nirgends

 

Bewaffne dich und sei gewalttätig, sprenge alles in die Luft. Denk daran, dass jede gewalttätige Aktion gegen die UnterstützerInnen der Ungleichheit auf Grund der unendlichen Zeit absolut gerechtfertigt ist, während der wir sie akzeptiert haben. Bewaffne dich und kämpfe gegen den terroristischen Staat - brandschatze, konspiriere, sabotiere, und sei wunderbar gewalttätig, physisch gewalttätig, vorsätzlich gewalttätig.“

Mauricio Morales (in Chile getöteter Stadtguerillero)

 

Um es lautstark mit der internationalen Sprache der Revolution zu sagen. Wo die Worte anders ausgesprochen werden, aber in einem gemeinsamen Panorama ohne Herren und SklavInnen, wo die Tyrannei der Waren und der Bilder uns nicht regieren kann. Unsere Stimmen werden Wind um dorthin zu fliegen, wo die Revolte konspiriert. Von den Quartieren in Buenos Aires bis zu den Nächten Athens, Salonikis, von Städten Chiles und Mexikos, durch die Strassen Frankreichs und Belgiens. Wir heben die Faust zum Himmel in einem ewigen Gruss zwischen RebellInnen dieser Welt und allen, die sie bekämpfen. (Mitglied des Revolutionären Kampfes) bis zu Mauricio Morales und allen GenossInnen, die vorzeitig gestorben um den Preis der gefährlichen Schönheit des bewaffneten Kampfes. In diesen Tagen des Feuers inmitten der Finsternis sind wir nicht alleine. Wir haben immer unsere gefangenen Geschwister auf unserer Seite, jene, die im Konflikt gegen den Feind gefangen genommen wurden und die ihre Ehre und Würde trotz der Angst vor dem Gefängnis noch einmal hochgehalten haben. Ein Gruss den gefangenen GenossInnen und ein Merkzettel den GefängniswärterInnen und -direktorInnen. „Kein würdiger Gefangener ist je allein...“

 

NICHTS WENIGER ALS DAS GANZE

BEWAFFNETER KAMPF FÜR DIE REVOLUTION

 

II)Anarchistische Militante, die neue Stadtguerilla, die Revolutionäre Gruppe Verschwörung der Zellen des Feuers

 

In den letzten Jahren hat Griechenland eine Bedingung entwickelt, die jeden Rückschritt verunmöglicht. Das radikale antiautoritäre Gefühl, als höchster Ausdruck des inneren Feindes gemeint, hat die marxistische Logik und den Linksreformismus endgültig im Abfallkübel der Geschichte entsorgt. Der antiautoritäre innere Feind ist trotz seinen Widersprüchen, Schwächen und seiner Tendenz zur Selbstbezogenheit* als aufständisches Schreckgespenst präsent. Vom Manifest bis zur Demo, von der gewalttätigen Sabotage bis zum bewaffneten Raubüberfall, vom Bombenangriff bis zur politischen Tötung.

 

Das ist das Klima einer im Feuer entstandenen Zeit, woraus die RG Verschwörung der Zellen des Feuersentsprungen ist und zuschlägt. Nach ungefähr drei Jahren hartnäckiger Aktionen, mehr als 200 Brand- und Sprengstoffangriffen, glauben wir weiter, dass unsere Aktionen nur ein Tropfen im riesigen Meer unserer Sehnsucht nach Revolution sind.

 

Die Verschwörung entspringt einer neuen Welle des revolutionären Anarchismus, die dynamisch die Grenzen des Konfliktes und der sozialen Veränderungen überflutet hat. Durch die Ziele der Aktionen und unsere Bekennungen wurden wir Teil des militanten Anarchismus der neuen Stadtguerilla, als Kritik der unaufhörlichen bewaffneten Tyrannei der Oberen und der Kompromisse jener, die an den Rand verwiesen werden.

 

Die getroffenen Ziele, Autosalons, Banken, Polizeistellen, Versicherungsgesellschaften, Parteibüros, das Parlament, Kirchen, Gerichte, Gefängnisse, Botschaften... sind für uns nur Gebäude wo wir Sprengsätze legen. Und nach dem Schaden werden sie mit noch mehr Videokameras, Sicherheit und scheinbarer Uneinnehmbar wieder geflickt. Dann die Propaganda der Medien, die einige Angriffe versteckt indem sie mit einem Schleier der Verschweigens überzogen werden und andere wohl oder übel behandelt (Bomben, politische Tötung) aber verleumderisch entpolitisiert. Und auch, als Profis des Spektakels, entwickeln sie ein weiteres Mittel und schalten solche News zwischen eine Reklame für Abwaschmittel und eine Realityshow und machen sie so zu einem neutralen Produkt einer stumpfen Information.

 

Aus diesem Grunde besteht unser hauptsächlichstes Ziel nicht nur schlecht gesicherten Eingängen, Büromauern und Schaufenstern, sondern in der Bombardierung und Sabotage der gesellschaftlichen Beziehungen, die Erstere als Symbole der Macht akzeptabel machen.

 

III) Die antisoziale Tendenz und das Komplizentum der Gesellschaft

 

Also, wir gehören zur antisozialen Tendenz der Anarchie, was nicht nur Opposition gegen den Staat sondern auch gegen die Gesellschaft ist, weil wir meinen, dass Autorität sich nicht nur auf die Macht und die Botschaften der staatlichen Ordnung verlässt, sondern auch auf den Kompromiss, die Akzeptanz und Resignierung einer stummen Masse, die gelernt hat sich an den Erfolgen der Nationalmannschaft oder der eigenen Mannschaft zu freuen, je nach Knopf der Fernbedienung ihre Laune zu wechseln, sich in Schaufenster und falsche Vorbilder zu verlieben und dabei nur auf sich zu achten und vor der Abwesenheit eines wahren Lebens die Augen zu verschliessen.

 

Diese Masse an willfährigen BürgerInnen verlässt ihr Sofa nur dann, wenn die Nestwärme ihres Kleinbesitzes bedroht wird.

 

Die Wirtschaftskrise in Griechenland und ihre Folgen rufen schon die Ansätze eines neuen sozialen Kannibalismus hervor. Die soziale Explosion, die von der Mehrheit der Arbeitenden aufgestossen wird, reklamiert nur die von den eigenen Gewerkschaften gestellten finanziellen Forderungen. Oft verursacht jeder Protest (streikende Lastwagenfahrer, von Hafenarbeitern blockierte Häfen, etc.) einen vorübergehenden Kurzschluss und eine soziale Unzufriedenheit unter den anderen Arbeitenden. Selbstverständlich verändert sich dieses Szenarium oft und jene, die jetzt auf den Strassen sind „um für sich eine Zukunft zu fordern“ sind dann gegen die anderen, wenn die für ihre Forderungen streiken wollen (z.B. Lastwagenfahrer gegen Blockaden auf dem Land, BürgerInnen gegen streikende öffentliche Angestellte, Eltern gegen streikendes Lehrpersonal, usw.). All diese sozialen Proteste lassen unsere Sprache und unser Bewusstsein verkümmern indem sie einen besseren Staat, eine bessere Arbeit, eine bessere Bildung, eine bessere Gesundheit fordern aber nie den Mut haben auf das Problem einzuwirken, dass wir nicht einfach nur mehr oder weniger ärmer sind als gestern, sondern dass wir in einer Art und Weise leben, die uns nicht mehr repräsentiert. Wir werden von den Befehlen irgend eines Chefs gedemütigt und unsere Bedürfnisse sind blosse Spiegelungen irgend eines Schaufensters, unsere Ungehorsamkeit wird von der Polizei eingesperrt, die Freude wird in ein Produkt auf irgendeinem schrill geschmückten Gestell eines Supermarktes verwandelt, der Ausdruck verliert sein Gesicht unter der Maske des Anspruches, Kontakt ist eine Taste auf der Tastatur vor dem kalten Bildschirm eines PCs. Alle diese Verluste sind noch schlimmer als ein einfacher Protest für eine Handvoll €. sie verdienen unseren bedingungslosen Einsatz in der neuen Stadtguerilla.

 

Die neue Stadtguerilla ist die Forderung nach unserer Existenz, unser Beitritt zur wahren Seite des Lebens, die Schwierigkeit und missliche Lage, die einer Gesellschaft innewohnen, die auch noch den letzten Rest an Bewusstsein verkauft und verraten hat. Alle denken nur an sich selbst und verwandeln ihre Frustration in Zynismus und Gleichgültigkeit und das einzig Wichtige ist wie man sich um jeden Preis bequem betten kann. Die Autorität spielt ihre Taktik des „divide et impera“ nur deshalb so gut aus, weil sie einen schwachen Feind hat.

 

Wenn ihr Gegner die degenerierte Gesellschaft ist, wo die fiktive Wirklichkeit der Reality Shows sie mehr als das reale Leben beschäftigt, ist kein Versuch der Spaltung mehr nötig, weil die Gesellschaft schon gespalten ist, zwischen den freien Raten der konsumistischen Glückseligkeit und neuen Hypotheken aus kleinbürgerlichen Illusionen.

 

Und das Leben? Das Leben ist jetzt in dieser Stadt nicht mehr da, jetzt gibt es nur noch den Lärm der Autos, das Geräusch der Reklamespots und Bilder, die uns tagtäglich bombardieren.

 

Wir glauben, dass das Klassenbewusstsein gestorben ist und unter der Gründung der modernen Zivilisation begraben wurde. Wer jetzt noch von Klassenkrieg spricht, bezieht sich auf etwas, das der Vergangenheit angehört. Wir erklären uns besser, um nicht missverstanden zu werden. Da wir selbstverständlich nicht im Käfig der reinen Ideologie leben, wissen wir, dass die Essenz des Systems die Herstellung von sozialen und wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten ist. Auf jeden Reichen werden immer viele Arme kommen. Darum, wenn wir sagen, dass Klassenkampf ein überholter Begriff ist, wollen wir damit nicht sagen, dass es keine sozialen Klassen gibt, aber wir glauben, dass es kein Klassenbewusstsein mehr gibt. Da also die Unterdrückten und ausgebeuteten dieser Welt ihre Bedingung nicht verstehen um widerstehen und den Palast des Zaren, der sie ausbeutet, angreifen zu können, werden wir die Rollen des Volkszornes nicht verkörpern*.

 

In unseren Worten und unseren Aktionen wollen wir die alte Falle des revolutionären Denkens vermeiden, das auf einer manichäischen (oft nuancenlose Gegenüberstellung von Gut und Böse, d. Üb.) geschichtlichen Herangehensweise beruht, wo der Staat das Böse und die Unterdrückten das Gute sind. Wir lehnen die vorgefertigten Tabellen ab und zeitlose Wahrheiten und leichte Folgerungen zu verstehen. Was nicht heisst, dass wir den entscheidenden Stellenwert der Wirtschaft als Pfeiler des Systems nicht anerkennen. Aber wir können doch den leeren Blick eines Kindes, das an der Strassenkreuzung bettelt, die Menschen in der Warteschlange für eine Ration Essen, die Girokontos und die Abschaltung des elektrischen Stromes, Kredite und unbezahlte Schulden nicht in wirtschaftlichen Begriffen ausdrücken, aber vor allem, wir können doch nicht einfach unbedarft in die Falle des menschlichen Mitleides tappen ohne dabei auch die Verantwortung jener zu suchen, die tatenlos und ohne jede Reaktion unter der Peitsche der Wirtschaft leiden.

 

Weil Tatsache ist, dass es sich um die Unterdrückung handelt, die wir alle tagtäglich auf der eigenen Haut erleben, aber der Unterschied besteht darin, was jede und jeder von und dann gegen sie unternimmt. Einige pfeifen salopp während sie mit der Fernbedienung den Kanal wechseln, andere beschuldigen die ImmigrantInnen, dass sie ihnen die Arbeit klauen, noch andere fordern mehr Polizei, weitere sind selbst Bullen oder Privatbullen, dann die, die sich an ihre Scheuklappen klammern, andere überlegen sich fieberhaft wie sie Erfolg haben und den Illusionen ihrer Eltern nachkommen können, jene finden Orte des Vergessens wie zum Beispiel im Konsumismus. Und noch andere erheben die Stimme der Frustration, kleiden sich damit und schmieden neue Pläne der Subversion in den modernen Verbrennungsöfen der Metropolen.

 

Jetzt hat das Verstehen versagt und die Erklärungen sind auf der Suche nach dem Grund. Die Wirtschaft ist nicht nur eine wissenschaftliche Methode zur Auslegung der Welt, sondern hauptsächlich ein soziales Verhältnis, das auf einem Kriterium zur Unterscheidung der Personen gründet. Als in den ´90er Jahren die Autorität eine Welt des Überflusses versprach, verwandelten sich die Stimmen des Protestes dieser Zeit in das Lächeln von KonsumentInnen, denen es egal war, dass solche Glückse-ligkeit immer auf dem Buckel des Elendes anderer Menschen basiert (Fall des Ostblocks, Immigration, Bürgerkriege...). Jetzt ist der westliche Mensch dran und muss gegen den Stillstand der Kultur kämpfen, die er geschaffen hat. Wir, gegen das Vergessen der sozialen Verantwortungen, sind nicht nur gegenüber dem wirtschaftlichen Kurzschluss des Systems kritisch sondern auch gegenüber dem System an sich, und seinen BürgerInnen. Die Verschwörung spricht nicht die Sprache der Klassen-analyse, sondern jene der bewussten Entscheidung zum Angriff, zum bewaffneten Kampf und zur Revolution bis zum vollständigen Umsturz.

 

Wir benötigen die Feststellung der massiven sozialen Unruhen nicht um zu begreifen, dass wir von etwas betroffen sind, weil wir selbstständig einschätzen und an unsere GenossInnen glauben, dazu sind wir der festen Überzeugung, dass das, was wir erleben, kein Leben ist. Darum haben wir das angeblich revolutionäre Subjekt des unterdrückten Proletariats aus unserem Wortschatz gestrichen.

 

IV) Wirtschaftskrise, soziale Polarisierung, unsere Chance.

Das Sichtbare wird zur Gegenwart“

 

Sicher wissen wir, andererseits, das wir uns heute in einer Periode grosser Veränderungen für die RebellInnen dieser Welt befinden. Das System, wie wir schon gesagt haben, ist jenseits seines Kurzschlusses angekommen und für den Westen ist die Wohlstand versprechende Ära abgeschlossen. Der soziale Konsens, der um die Idee von Konsum und dem Versprechen einer materiellen Glückseligkeit konstruiert wurde, verschleisst sich unter den Hieben der Wirtschaftskrise. Die Kultur des leicht und schnell erworbenen Geldes und des sozialen Aufstiegs findet seine Entsprechung in Situationen des sozialen Niederganges. Diese Situation, sowohl in Griechenland als auch international, führt zu sozialen Konflikten (Frank-reich, England, usw.) und wird zu weiteren führen. Es ist unausweichlich, dass innerhalb des – bis gestern – neutralisierten sozialen Körpers die Bedingungen zu einer Polarisierung in beide Richtungen führen wird.

 

Einerseits werden die konservativen Instinkte eines Teiles der Gesellschaft neu aufblühen (z.B. Panteleimon und Atticastr. Oder die Teilnahme von Chrisi Augi [d.it.Üb.: Golden down, rechtsextreme griechische Band] an der Bürgerkommission), welche die „Quelle des Übels“, in den Schwächsten, d.h. den ImmigrantInnen, ausmachen wird. Die Dummen sagen „die stinken“, „bringen Krankheiten“, „ihre Ware führt zur Schliessung unserer Läden“, „die haben den Lohnverlust verursacht“. Das sind einige Urteile, die von den „neuen Rettern der Nation“ schon verkündet wurden um einige Tausend lokale Unterdrückte zu überzeugen und deren Konsens zu erhalten.

 

Selbstverständlich ist die Mehrheit der Immigrierten ebenfalls mitverant-wortlich und Komplize wenn entsprechende Standards des „durchschnitt-lichen Griechen“sie in ihren eigenen Gemeinschaften, die von Philistertum, Sexismus, organisierter Kriminalität, ethnischen und rassischen Spaltung-en, religiöser Intoleranz und Fanatismus beherrscht werden, verbreiten.

 

Andererseits wird sich der restliche Teil der sozialen Fabrik auf der Seite der sozialen Forderungen bewegen. Er besteht aus einer bunten und lebhaften Bandbreite und zwar: aus Pasok-Gewerkschaftern, geizigen Mitgliedern des CPG (KKE), gemässigten Linken, EinzelgängerInnen, Progressiven, sozialen AnarchistInnen, Hooligans und Aufständischen.

 

Schon erleben wir Perioden der Hochspannung. Die Polarisierung und die sozialen Konflikte sind unausweichlich.

 

In Griechenland geht der wirtschaftliche Zusammenbruch weiter und wird grosse Konfliktszenarien sehen. Die Frage ist, für welche Seite sich jedes Individuum entscheiden wird.

 

Wir halten uns, in diesem Moment, raus... selbstverständlich stehen wir weder in der konservativen Stinkbrühe der FaschistInnen noch zur Front der sozialen Forderungen.

 

Unsere Aktion als Minderheit hat den Krieg schon lange erklärt und nicht um bessere Löhne oder Renten zu kämpfen, sondern im Kampf für ein besseres und sinnvolles Leben, für einen wahren Realitätssinn. Das heisst nicht, dass wir die Arroganz einer vermeintlichen Selbstsicherheit auskosten wollen. Weit entfernt von solchen Botschaften, definieren wir unsere Position einfach klar.

 

Überdies wissen wir, dass uns die bloss akademische Kenntnis des Leidens nicht genügt, wir haben eher das Bedürfnis nach der Suche einer endgültigen Aktion gegen das Elend.

 

Die Suche nach Erfahrung.

 

Die Suche nach einer individuellen und kollektiven Identität.

 

Die Suche nach Kontakten mit anderen Personen ausserhalb des rein theoretischen Dogmatismus auch wenn er von uns selbst kommt.

 

Wir solidarisieren uns mit dem Leiden der Leute, sind mit der Kraft solidarisch, mit der einige Personen ihr eigenes Leiden nicht tolerieren.

 

Genau an diesem Punkt, Punkt der Spannung und der Gegensätze in der sozialen Polarisierung, meinen wir, dass der erste Bruch in der Ordnung der Dinge entstanden ist, und was noch zu tun bleibt ist, die Kommunikation unser und einen Schritt vorwärts zu machen. Die gesamte Lage, die Wirkung der Wirtschaftskrise zertrümmert das Image des westlichen Lebensstil und löst die Anfänge einer Vor-Reaktion aus, schafft neue Verhaltensweisen und die Ablehnung von Hilfe. Wir glauben, dass es eine neue Minderheit von Personen gibt und geben wird, die ausserhalb des Zusammenhangs des sozialen Konservativismus und des Reformismus sehen und durch Erfahrung, Instinkt oder Bewusstsein die gesamte Kultur und alle üblichen Werte in Bausch und Bogen ablehnen werden ohne in einem blöden Rassismus zu stranden oder Forderungen nach Lohnerhöhungen zu stellen.

 

Wir sind weit davon entfernt aber genau dort wollen wir uns selbst wiederfinden. Im Herzen des Umbruchs. Alle unsere Aktionen und Texte sind der Beleg eines informellen Kommunikationskodexes, ein dünner roter Faden, der sich mit dem Wind verbreitet und den Zweck hat, die unberechenbarsten und am stärksten zersprengten autonomen Individualitäten zu vereinen. Weil, wir wollen uns nicht hinter der Definition Arbeitende, AnarchistInnen, Arme, Immigrierte verstecken, sondern jenen in die Augen schauen, die als wohldefinierte Individuen ihren Entscheidungen entsprechend urteilen und beurteilt werden.

Das ist die grösste Freude der Stadtguerilla. Die Verbindung zwischen verschiedenen Personen, die Kommunikation ausserhalb von Schemas, eine Geste der Solidarität und die Antwort eines unbekannten Menschen. Es gefällt uns nicht, die Wirklichkeit vom hohen Ross einer vermeintlichen Selbstsicherheit herab zu betrachten, andererseits wollen wir in der sozialen Vielfalt die Botschaft der Revolte verbreiten und die Stützpfeiler der Stereotypen untergraben.

 

Um uns im freien fliessen der Verhaltensweisen zu verlieren, in der Erscheinung der Jugendkriminalität der Ausgeschlossenen, in der Heraus-forderung der Ernüchterten, dem Realismus der Desillusionierten, in der Welt der würdigen Gefangenen, in den Hooligans, in den musikalischen Subkulturen, in den Schulen, im Kampf am Rande des ganzen Spektrums.

 

Diese Individualitäten, die nie an einer politischen Versammlung teilgenommen haben, die nie an eine Demo gegangen sind und die „Wahrheiten“ von Marx und Bakunin gelesen haben, können, durch ein alltägliches Verhalten, durch ihre Werte, durch das eigene Leben anarchistischer sein als die wirklichen AnarchistInnen, kämpferischer als die Profis der Kämpfe.

 

Der Kontext der Wirtschaftskrise ist die beste Chance für diese Individuen um teilzunehmen und sich auszudrücken.

 

Sich von den Rändern an die Front begeben. Um sich zum Territorium des authentischen Verhaltens zu bekennen, das während vieler Jahre in der Gesellschaft des Wohlverhaltens und des Scheins eingeschlossen war, so werden Leader, Rollen, die grossen und kleinen Mächte ausgeschaltet.

 

Denn die Stadtguerillas sind nicht irgendeine Elite, die im Besitze der höchsten Wahrheit ist. Wir sind einfach eine Minderheit, die sich mit den Wünschen und den Entscheidungen bewaffnet haben, gegen die blauen Uniformen der Folter, gegen das makabere Kleid der Tyrannei, gegen den sozialen Frieden und das Schweigen, das uns tötet. Wir säen unsere Ideen, unsere Handlungsweise, unsere „guten Dinge“ und die „Fehler“.

 

Und oft setzen wir uns der bewussten Möglichkeit des Todes oder der Gefangennahme aus.

 

Wir zeigen weder den richtigen Weg auf, noch haben wir uns einem entschieden, der für alle offen ist.

 

Wir haben den Klassenkampf endgültig hinter uns gelassen. Wir haben kein Vertrauen in die arbeitende Klasse, die sich vor dem Herrn verneigt und ihm gleichen möchte, während sie gleichzeitig um die Brosamen revoltiert, die ihr vom Tisch gefallen sind.

 

Das, weil wir glauben, dass der Weg der Freiheit und der Würde immer ein individueller ist und sich nicht den Stereotypen und den Etiketten anschliesst.

 

V) Anarchoindividualismus, das Konzept der wahren Kollektivität

 

Alle urteilen und werden auf Grund der eigenen Entscheidungen beurteilt. Das, weil wir in unseren texten den Anarchoindividualismus oft als neue Art und Weise des Verhaltens und als neues Aktionsmodell definieren. Was nicht heisst, dass wir nicht am Dialog mit anderen interessiert sind um das mitzuteilen, was uns mit Stolz erfüllt, stolz darauf, wieder auf diesen Strassen zu gehen. Überdies erwarten wir mit derselben Inbrunst jede Kritik, die uns betreffen könnte, um besser zu werden.

 

Aber wir erwarten keinen sozialen Konsens um etwas zu tun. Wir schliessen keine Kompromisse in der Erwartung, dass die Bedingungen „reifen“. Wenn die Gesellschaft unsere Ideen nicht verstehen, dann liegt das Problem in der Gesellschaft. Wir werden nicht länger abseits stehen. In einer Welt, in der das Gesetz der Vorherrschaft der Mehrheit gilt, werden wir unsere Kritik jetzt und immer verfeinert. Wir stehen im Kampf gegen die Zeit, ohne Teil eines unpersönlichen und anonymen Konsenses oder Kompromisses zu werden.

 

Aber die Modellierung des Lebens jedes einzelnen Individuums gehört den individuellen Entscheidungen und Initiativen an. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass wahre Kollektivität mit der Individualität beginnt.

 

Durch menschliche Kommunikation und Zusammenarbeit verstehen alle sich selbst besser, dank dem, was ausserhalb ist, und gleichzeitig dank dem, was drumherum geschieht.

 

In unserer Sehnsucht und dieser Welt zu stellen, die uns mit ihrer Feindseligkeit unterdrückt, interagieren wir mit freien und autonomen Individuen, die das Leben in seiner vollständigen Intensität anstatt in monatlichen Ratenzahlungen suchen. Dieses Ganze aus Personen schaut sich sorgenvoll um, kämpfend, diskutierend, handelnd, denkend, und ihre Entwicklung ist die RG Verschwörung der Zellen des Feuers. Ein illegales Netzwerk einer minderheitlichen Aktion unser GenossInnen, ohne Chefs und Gefolgsleute, welche die eigenen Sehnsüchte und Gedanken immer auf der revolutionären Seite organisieren. Durch unsere Aktionen lehnen wir das staatliche Monopol der Gewalt und der Waffen ab.

 

VI) Auge um Auge

 

Genau darum benutzen wir oft den Begriff des revolutionären Terroris-mus, in Anbetracht der Tatsache, dass gegen das Gesicht des Terrors, der von den Oberen durch Krieg, Armut, Unfälle, Polizei und Gefängnisse ausgeübt wird, eine Antwort durch einen Terror notwendig ist, der von den Untergeordneten kommt. Und obwohl die Gewalt der Guerilla durch einen Sprengsatz oder eine politische Tötung nicht mit dem staatlichen Genozid und Morden verglichen werden kann, ist es jedoch sicherlich ein kleines bisschen Terror auf feindlichem Terrain. Die Tatsache, das alle diese Bastarde, die unser Leben beherrschen, gezwungen sind mit einem kleinen Gefolge von Bewaffneten in gepanzerten Limousinen rumzufahren, und das auch im normalen Ausgang, ist der mindeste Preis für die Welt, die sie zum Regieren geschaffen haben.

 

Als RevolutionärInnen haben wir die Erfahrung des Verlustes unserer GenossInnen gemacht, der Gefangennahme unserer Brüder, der Hatz durch unsere Folterknechte, und nun ist es an der Zeit, dass der Schmerz und das langsame Sterben die Seite wechselt. Der revolutionäre Terrorismus trägt so und in dieser Richtung zur revolutionären Sache bei.

 

VII) Die Aktionen sprechen nicht von selbst für sich

 

Aber Aktionen sind nichts wenn sie Waisen und blind bleiben. Tatsächlich gewinnen sie ihre ganze Bedeutung wenn es eine Bekennung gibt.

 

Als Verschwörung nehmen wir nicht die Abkürzung der Heimlichkeit sondern bekennen uns immer zu unseren Aktionen. Als wir zu handeln begannen schien das unangebracht weil es, vorher, nie illegale Gruppen in der antiautoritären griechischen Bewegung gegeben hat, die gewohnheits-mässig eine spezifische Unterschrift und Sprache einsetzen (ausser einige Ausnahmen wie die Bewussten BrandstifterInnen, Schwarzer Stern ...).

 

Der Hauptgrund ist, dass immer noch die Überzeugung besteht, dass „Aktionen von alleine sprechen“, zusammen mit der Furcht, im Falle der Verhaftung „einer bewaffneten Gruppe anzugehören“.

 

Wir glauben, dass keine Aktion für sich sprechen kann, weil es keine revolutionäre Sabotage ohne ihren entsprechenden subversiven Text gibt. Vor allem wenn es innerhalb der revolutionären Strömung verschiedene Tendenzen gibt. Für uns „haben TheoretikerInnen, die kein aufständisches Leben führen, nichts zu sagen, und Militante, die kritisches Denken ablehnen, tun nichts Bemerkenswertes“.

 

Was das strafrechtliche Risiko angeht, so ist es eine natürliche Konsequenz dessen, was alle in Betracht ziehen müssen bevor sie dem System den Krieg erklärt, sonst sollte dieser Schritt auf dem Wege der revolutionären Aktion nicht vollzogen werden. Die legalen Folgen können für die revolutionäre Sprache nicht bestimmend sein*. Die Einheit Worte und Aktionen ist, als Quintessenz unseres Kampfes selbst, das Wichtigste, vor den legalen Folgen. In diesem Sinne haben wir als Verschwörung gehandelt und werden so weitermachen.

 

VIII) Der Tag, an dem nicht alle zurückkehrten

 

Am 1. November wurden zwei unserer Brüder, Gerasimos Tsakalos und Panagiotis Argyrou, im Zentrum Athens von den Polizeimannschaften der DIAS umzingelt und festgenommen. Sie fanden zwei Pistolen auf ihnen, fünf Zeitschriften, eine kugelsichere Weste und zwei Brandpakete für die belgische Botschaft und den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy.

 

Sie wurden nach der Übergabe von zwei weiteren Paketen für die mexikanische Botschaft und Eurojust beschattet.

Alles begann nachdem eine Angestellte von Swift Mail's versuchte ihre Neugierde zu befriedigen und sich als Ermittlerin für die Sicherheit eines Botschafters verhielt, sie öffnete in einem Anfall von Übereifer das Paket, mit dem Resultat einer Stichflamme, ohne sich zu verletzen.

 

Der Rest ist dank den TV-Nachrichten und den Zeitungen bekannt. Die Angestellte hat die Polizei gerufen und die Bullen haben die gesamte Zone mit Dutzenden von Mannschaften umstellt und unsere Genossen gefangen.

 

Sicherlich wird die Geste der Angestellten dem Gemeinsinn ausgesetzt und wir sind sicher, dass ihr Name von der neuen Stadtguerilla nicht so schnell vergessen wird.

 

Zur Aktion selbst: unsere Voraussicht, dass die Korrespondenz der Aristokratie der Botschafter nicht von ihnen sondern vom Stab der Mitarbeiter geöffnet wird, hat uns darauf verzichten lassen unseren starken Sprengstoff zu benutzen, und wir haben ihn mit einer improvisierten Menge Schwarzpulver ersetzt, um eine Botschaft zu senden, die keine Menschen verletzt.

 

Da wir auch in Betracht gezogen haben, dass die Pakete einen Tag lang in den Lagerräumen der Gesellschaften bleiben, um dann am Tag danach von den Kurieren ausgetragen zu werden, haben wir auf die totale Sicherheit der Zusammensetzung geachtet und auch darauf, dass sie erst bei ihrer Öffnung losgehen können.

 

Wie wir in einer früheren Bekennung gesagt haben, werden die Aktionen der Stadtguerilla und die von ihr ausgeübte Gewalt nur gegen die Grobiane gerichtet, die unsere Leben beherrschen, und gegen ihre loyalen Knechte, welche die Religion der legalen Ordnung ausüben. Aber sobald die Herren die SklavInnen überzeugen können, das sie in Freiheit leben, dann müssen die Inhalte gegen den Verlust des Bewusstseins kämpfen.

 

Oft stossen wir auf gegensätzliche Aktionen einiger AngestelltInnen, die mit den Interessen der wirtschaftlichen Eliten übereinstimmen. Die Sucht nach Sicherheit und sozialer Spitzelei, die gewisse rigoros Arbeitende offensichtlich vorweisen, erhalten das System am Leben.

 

Also eine Gesellschaft, in der „heldenhafte“ BürgerInnen das Geld in einer Bank vor den BanditInnen schützen, andere nach mehr Polizei schreien, einige die Gesetze korrupter GesetzgeberInnen beachten, andere alles anzeigen was der täglichen Routine nicht genau entspricht und noch andere, die nach exemplarischen Strafen für die RebellInnen rufen. Wir bekämpfen sie, dazu bereit, uns bis zum bitteren Ende zu schlagen. Denn Erinnerung ist nicht Schrott und Blut nicht Wasser.

 

IX) Solidaritäts- und Unterstützungskampagne für die Guerillagruppen und die gefangenen RebellInnen

 

Unser Tag wird kommen, unser Tag wird kommen...“

 

Bobby Sands

 

Heute ist das Imperativ der Beginn einer neuen Phase in der Entwicklung des revolutionären Denkens und Handelns. Ein qualitativer Sprung, der gemeinsame Entscheidungen beinhalten wird, die hunderte von Meilen voneinander entfernt oder einander auch ein Schritt näher sind. Unser Zweck ist die Bildung eines internationalen informellen und antiautori-tären Netzwerkes aus Guerillagruppen und autonomen Individualitäten.

 

Die Bildung eines Netzes, worin die GenossInnen und Gruppen, die daran teilnehmen werden, die Erfahrungen aus der ganzen Palette an Kämpfen austauschen werden, aus einem spontanen Anarchismus, aus dem bewaffneten Kampf, aus der politischen Anonymität, aus der revolutionären Strömung heraus. Ausgangspunkt eines weiten Kreises der Kommunikation, Diskussion, Wahrnehmung und Reflexion. Die Operation eines experimentellen Laboratoriums von Schemas durch den Austausch von materiellem und technischem Wissen im Bereich der Sabotage. Die Organisierung einer kollektiven Solidarität mit den gefangenen GenossInnen und einer Substruktur zur Unterstützung der gesuchten RebellInnen. Die Herausforderung eines kühnen Unterfangens, dessen Realisierung noch schöner als das Unterfangen selber ist... Jedenfalls etwas, das wir verwirklichen wollen. In den nächsten Monaten wird unser Wunsch mit der Vorstellung eines artikulierten internationalen Appells bekräftigt werden. Im Moment grüssen wir unsere FreundInnen, die uns bekannten und unbekannten GenossInnen, die sich organisieren und alleine oder in Guerillagruppen agieren.

 

Gleichzeitig wollen wir von unseren Verlusten sprechen, von den Geschwistern, die uns entrissen wurden. *Die Pflicht zum Kampf der gefangenen RebellInnen (miteinander und mit der Minderheit „der Strafgefangenen“, die mit ihrem Verhalten und ihren Kämpfen Vorbilder für Würde und Ehre sind) bleibt ein inhärenter Aspekt des radikalen Kampfes. Oft wächst das Interesse für die „Personen im Inneren der Knäste“ wenn man den Beginn eines Falles aufziehen spürt.

 

Unterdessen werden die journalistischen Artikel mit spektakulären Titel wie „ Verhaftung einer Organisation“ versehen. Aber alle diese GenossInnen haben ein eigenes Leben, eine eigene Denkweise und ein einzigartiges Gesicht. In der Vergangenheit haben wir von einigen GenossInnen gesprochen indem wir sie mit ihren Namen angesprochen haben, während wir sie von anderen nie gekannt haben. Wir haben sie fragmentarisch am Ende eines Bekennerschreibens oder in einem Ruf in den Strassenschlachten erwähnt. Jedenfalls, wir verlieren die Erinnerung, die Verbindung, die Geschichte.

 

Gleichzeitig sind wir aufmerksam, weil wir es vermeiden wollen, unsere gefangenen GenossInnen als Opfer oder HeldInnen darzustellen. Im Gegenteil, wir wollen, dass sich mit diesen Personen eine wesentliche Kommunikation ergibt, um ihnen eine Stimme zu geben, um Erfahrungen auszutauschen und, das Wichtigste, um einen grossen Versuch zu machen um sie frei zubringen damit sie erneut an vorderster Front im revolutionären Kampf dabei sein können. Neben den schon bei RevolutionärInnen und AnarchistInnen existierenden Solidaritätsinitiativen stehen wir schon immer für die Entlassung der Gefangenen und die Zerstörung der Gefängnisse. Die von uns lancierte Kampagne der internationalen Solidarität gehört zu unserem Versuch in diese Richtung.

 

Die Freundschaft, die uns mit ihnen verbindet, aber auch die aufrichtige Wertschätzung, die wir gegenüber jenen empfinden, die wir nicht die Ehre hatten persönlich zu kennen, bleibt unerfüllt angesichts dieser in Strafakten und Zeitungsartikeln vergessenen Geschichten. Die unterschiedlichen Wahrnehmungen, sicher eine Frucht der individuellen Eigenschaften, und die Unkenntnis einiger wegen den grossen Entfernungen, können die offensichtlichen Tatsachen aber nicht verleugnen: diese Personen haben nicht daheim auf dem Sofa sitzend auf die Aktion gewartet sondern haben sie selbst unternommen und den Weg der Revolution beschritten, auf dem alles möglich ist.

 

Also senden wir den rebellischen GenossInnen der Federazione Anarchica Infomale Italiens (FAI informale) unsere Grüsse und ein Zeichen der Zusammenarbeit. Die FAI ist ein offenes und dezentrales Netz aus Individuen, die direkte Aktionen und Sabotagen gegen Staat und Kapital durchführen. Durch die Angriffe (Legung und Sendung von Sprengsätzen an PolitikerInnen, Karabinierikasernen, Gerichte, usw.) senden sie eine klare Botschaft an die Wahrnehmung und Praxis der anarchistischen RebellInnen. Gleichzeitig hat die FAI die Kämpfe zur Aufhebung des Sonderregimes FIES in den spanischen Gefängnissen unterstützt und mit Angriffen auf spanischen Gebiet ( Sendung zweier Sprengkörper ans Gericht von Valencia) ihre Solidarität ausgedrückt. Dazu hat die FAI griechische Ziele angegriffen wie 1999 die griechische Tourismusagentur und die Botschaft in Madrid um ihre Solidarität mit Nikos Maziotis (zurzeit ist er gefangen und hat sich Stolz mit den Genossen K. Gournas und P. Roypa zu seiner Angehörigkeit zum Revolutionären Kampf bekannt) ausdrücken. In ihren Bekennungen vertritt die FAI einen rebellischen Anarchismus und kritisiert die alten Organisationen mit ihrer gewaltlosen revolutionären Rhetorik. Gleichzeitig hat die FAI ihren offenen Brief (an die anarchistische Bewegung) verbreitet um die internationale Organisation und Solidarität zu fördern. Ein Unterfangen, das immer noch aktuell und wesentlich ist...

 

Wir grüssen auch die anarchistische Gruppe Células Autónomas de Révolution Inmediata – Praxedis G. Guerrero und den Frente de Liberación de la Tierra – Insurrecto, die auf mexikanischem Territorium angreifen. Dort setzen die GenossInnen selbst gebastelte Sprengsätze ein und greifen vor allem militärische Ziele an (Polizei und Privatbullenautos, usw.). In einem Doppelangriff auf einen Polizeibus und einen Bagger schreibt der FLT-I: „Wir werden die Interessen der „arbeitenden Klasse“ oder privilegierten Klasse nicht verteidigen, weil wir keine KlassistInnen sind. Wir sind Anti-Anthropozentrisch und IndividualistInnen. Wir kämpfen gegen diese Gesellschaft indem wir den antisozialen Krieg mit unseren Aktionen verbreiten. Wir verteidigen weder Arme noch Reiche. Wir kämpfen gegen die Zivilisation, für die totale Befreiung und die Befreiung der Erde. Das muss klar sein!“.

 

Im Moment ist in den mexikanischen Gefängnissen seit 2009 Abraham Lopez gefangen, der Sabotagen und kriminellen Vereinigung angeklagt. Zu einigen dieser Aktionen bekannte sich der FLT. Adriano Magdaleno Gonzales wurde wegen Brandangriffen gegen Banken und ALF-Aktionen im 2010 angeklagt. Sein Urteil ist 7 Jahre Haft. Dann Braulio Arturo Duran Gonzales, angeklagt wegen verschiedenen Brandangriffen gegen Banken und andere Ziele.

 

Dann Grüssen wir die bewaffneten Genossen in Argentinien wie die Brigada Luciano Arruga, die gnadenlos die Strukturen des Landes angegriffen hat. Diese Gruppen der bewaffneten Guerilla greifen Polizei-posten an, enteignen die Waffen der Polizisten und führen Banküberfälle durch, deren politische Verantwortung sie übernehmen, und schlussend-lich führen sie Sprengstoffattentate gegen Symbole der Macht aus.

 

Eine grosse und leidenschaftliche Umarmung senden wir Gabriel Pombo da Silva, der 2004 mit José Fernando Delgado aus den FIES-Gefängnissen des spanischen Staates geflüchtet ist. Bei ihrem versuchten deutschen Grenzüberschritt sind sie Polizisten „begegner“ und es kam zum bewaffneten Zusammenstoss (Der Fall der Vier von Aachen). Im Moment sind sie Gefangene in Deutschland. Gabriel wurde für den Zusammenstoss zu 13 Jahren verurteilt, während er vorher schon 24 Jahre gefangen war, davon 14 Jahre in Isolationshaft. Sein Genosse José wurde im selben Fall zu 14 Jahren verurteilt. Gabriel hat sich im Knast nie gebeugt. Mit seinen flammenden und subversiven Texten hat er erklärt, dass er immer auf der Seite des Angriffs stehen wird. „Wir sind jene, die glauben, dass der Moment des Angriffs und der Zerstörung der Dinge, die uns nicht dienen sondern im Gegenteil versklaven und zerstören, da ist. Im Gegensatz zur Meinung der Massen schlagen wir eine Gemeinschaft aus zuverlässigen Individuen vor, die kein Zentrum suchen... eine Gemeinschaft aus Gruppen und Individuen „am Rande“ und „gegen“ das Projekt der Herrschaft in allen ihren Ausdrücken: wirtschaftlich, technologisch, politisch, sozial, städtebaulich, usw. GenossInnen, verlieren wir keine Zeit und Energie in Diskussionen mit jenen, die von und für Worte leben, die Aktion ist unser!!“ Der Genosse war wegen einem stolzen und intoleranten Verhalten im Verlaufe all dieser Jahre des Kampfes gegen die Gefängnisse oft Zielscheibe von Bestrafungen durch die Behörden. Die italienischen Behörden haben „ihn besucht“ weil sie ihn als mit der rebellischen Organisation FAI direkt verbunden betrachteten. Dazu hat er kürzlich einen Hungerstreik durchgeführt, der sich in eine internationale Solidaritätskampagne verwandelt hat und an der wir uns mit dem Angriff auf das Gebäude der National Insurance in der Syggroustr. Beteiligt haben.

 

Verschiedene Meilen weiterreisend begegnen wir Marco Camenisch in der Schweiz, 1980 wegen Sabotagen an Strommasten verhaftet und zu zehn Jahren verurteilt. Ein Jahr danach brach er aus und lebte zehn Jahre im Untergrund. Er wurde 1991 in Italien während einer Routinekontrolle, die sich in einen Zusammenstoss mit den Ordnungskräften verwandelte, wieder verhaftet. Ein Bulle wurde verletzt und unterdessen fügte Marco zu seinen Aktionen eine weitere Sabotage und die Hinrichtung eines Bullen in einem alten Fall hinzu. Überdies sind die drei ÖkoanarchistInnen Silvia Guerini, Luca (Billy) Bernasconi und Costantino Ragusa in der Schweiz im Gefängnis, unter der Anklage des Transports und der versuchten Legung eines Sprengsatzes in einem nanotechnologischen Forschungszentrum eines grossen Multis. Sie wurden von der Polizei verhaftet als diese in ihrem Auto Sprengstoff und ein BekennerInnenschreiben fanden. Im Gefängnis kämpfen sie weiter und kürzlich haben sie einen Hungerstreik durchgeführt.

 

Auf der anderen Seite des Atlantiks kommen wir zu den Kriegsszenarien in Chile. Dort wurden die Genossen Marcelo Villarroel und Freddy Fuentevilla in einem Hochsicherheitsgefängnis in Argentina unter Anklage des Transportes illegaler Waffen festgehalten. Sie hatten sich klandestin ins Land begeben weil die chilenische Regierung sie der Teilnahme an einem Raubüberfall anklagt, in dem ein Polizist getötet wurde. Der argentinische Staat hat beide nach Chile deportiert. Marcelo hat als Junge viele Jahre im Gefängnis verbracht. Er wurde zum sozialen Krieger um dann im Movimiento Lautaro zu kämpfen. Danach stiess er zur Gruppe Kamina Libre im Kampf für die Gefangenenrechte und gegen die Gefängnisse. Dieser Genosse wird von den chilenischen Behörden als Vorläufer des „caso bombas“ in Chile betrachtet.

 

Im „caso bombas“ wurden 14 Personen angeklagt und sie lehnen diese Etikette ab. Die gesamte Polizeioperation zu ihrer Verhaftung wurde wie in einem Film durchgeführt. Indem sie in Sozialzentren und in Wohnungen von GenossInnen eindrangen, mit Direktaufnahmen und politischen Erklärungen zum Triumph der Demokratie.

 

Kurz danach haben die Gruppen im Untergrund in einem Bekennungsmanifest erklärt: „ Wir haben die Bomben gelegt. Unsere Ziele waren Banken, Botschaften, Finanzgesellschaften, Polizeiposten, Kasernen, Kirchen, Parteibüros und Sporthallen der herrschenden Klasse und alles was den historischen Unterdrückern der Arbeitenden gehört. Wir ziehen uns nicht zurück, wir sind stolz und Tatsache ist, dass die Polizei uns nicht gefasst hat. Wir sind ihre Niederlage.“

 

Wir drücken diesen Gruppen, die sich stolz und unerbittlich zu ihren Aktionen bekennen, unsere Solidarität aus.

Doch zurück zum „stählernen“ Staat Deutschland, dort finden wir Thomas Meyer-Falck, seit 1996 im Gefängnis. Angeklagt ist er eines Bankraubes zur Finanzierung politischer Aktionen. Der deutsche Staat hat sich gerächt indem er ihn jahrelang isoliert hat. Seine Post wird kontrolliert und er muss 23 Stunden am Tag in der Zelle bleiben. Er hat erklärt: „Wenn sie Isolation ein Angriff auf die Menschenwürde ist; mehr als sieben Jahre in Isolation verbringen ist sicher nicht leicht, aber mein Geist ist klar und die Solidarität von aussen hilft mir, dass es mir gut geht“.

 

Thomas hat ein aggressives Verhalten gegenüber dem Gericht gezeigt und seine Ideen verteidigt und ihre Verleugnung verweigert. Das Berufsgericht hat 2007 seine Entlassung abgelehnt (er hat schon 2/3 seiner Strafe abgesessen) weil es ihn als gefährlich betrachtet.

 

Schlussendlich finden wir im Balkan den 23jährigen Jock Palfreeman, der den Mut hatte sich in Sofia (Bulgarien) 16 Neonazis entgegenzustellen, als er sah wie diese einen jungen Roma angriffen. Er hat ein Messer benutzt um sie zurückzuschlagen, aber sie haben ihn angegriffen. Im folgenden Kampf hat er einen Faschisten getötet und einen anderen verletzt. Das Gericht hat ihn zu zwanzig Jahren Knast verurteilt.

 

In Russland und im nahen Weissrussland sind die GenossInnen organi-siert und greifen an indem sie Strukturen zum Umsturz bilden und an Sa-botageaktionen teilnehmen. Ihnen senden wir unsere Solidarität gegen die Verfolgungen und die Gefangennahme als Rache des russischen Staates.

 

Selbstverständlich vergessen wir in dieser kurzen Reise der Erinnerung nicht, einer Person Solidarität und Ehre zu erweisen, welche die Geschichte der Guerillagruppen in Spanien als Mitglied des MIL und in Frankreich als Mitglied von Action Directe mitgeschrieben hat. Wir sprechen von Jean Marc Rouillan, der durch seine Aktionen und seine Texte in den Gefängnissen und draussen vor dem Feind keinen Schritt zurückgewichen ist. Wir senden ihm unsere Achtung und zitieren einer seiner Sätze über einen der verwundbaren und „intimsten“ Punkte der subversiven Zirkel: „ In den Salons des Protestes, voll von ideologischen Etiketten, die so gross sind, dass sie dem Boden entlang schleifen wie Lumpen, welche die Spur der Abwasserkanäle aufsaugen, bevorzugen sie die RevolutionärInnen anderer Zeiten. Oder auch die RebellInnen anderer Kontinente, vor allem wenn sie im tropischen Südamerika angesiedelt sind. Die Heuchler maskieren sich um zu vermeiden, die hier gekämpften Kämpfe zu unterstützen, um zu vermeiden etwas zu riskieren, um die Ansprüche ihrer eigenen Ziele zu umgehen, das ist ihr ewiges lauwarm sein, ihr hinterhältiger Verrat, der sein täglich Gift absondert“.

Letzte Station ist im griechischen Territorium. Verschiedene anarchistische RebellInnen und ehrbare „Strafgefangene“ erfahren die „Gastlichkeit“ der griechischen Gefängnisse.

 

Aber sie beugen sich jedenfalls nicht, weil sie den Rauch der Flammen in den Revolten nicht vergessen haben. Wir wollen den anarchistischen Rebellen Giannis Skouloudis grüssen, der wegen dem Brandangriff auf ein Fahrzeug der Nationalen Stromgesellschaft verhaftet wurde. Giannis steht auf der Seite der wahren RevolutionärInnen, die in den Nächten von Salonicco Feuer gelegt haben. Er hat die Würde und Kraft gehabt die Verantwortung für diese Aktion zu übernehmen, ohne den Ermittlungsbehörden das geringste Anzeichen von Reue zu bekunden.

 

Mit Giannis in denselben Bullenfällen hat es weitere vier Genossen, D. Dimtsiadis, P. Tzifkas, D. Fessas und M. Tsilianidis. Diese vier haben ihre politischen Ideen nie zurückgenommen, und haben auch nicht auf legale Tricks oder rhetorische Ausreden zurückgegriffen. Sie haben den Untergrund gewählt und sich für die Illegalität entschieden um in der Schlacht um die Revolution in vorderster Front zu bleiben. Sie haben ein Gericht in Saloniki angegriffen, führen die Brandangriffe weiter und haben vor dem Gefängnis Aulona, wo Giannis mit dem anarchistischen Rebellen Panagiotis Masouras eingesperrt ist, eine Protestversammlung organisiert. Panagiotis ist einer der wenigen Rebellen, der angeklagt wird unserer Organisation anzugehören (im selben Fall wird die Anarchistin K. Karakatsani angeklagt, die im Frauengefängnis von Elaiona eingesperrt ist). Wir senden Panagiotis unsere grösste Freundschaft und Achtung.

In unserer „hyper-siberischen“ Reise durch die Gefängnisse der Demokratie, mit dem nahesten Halt im Berufsgericht gegen den Anarchisten Giannis Dimitrakis (Bankraub) und im Gericht im Fall der Revolutionären Gruppe der Verschwörung der Zellen des Feuers, werden wir möglicherweise viele Namen und Gesichter nicht nennen, aber wir vergessen sie nie. Und jedenfalls erinnern sich die GenossInnen, wo sie auch sind, in Malandrino, Koridallos, Aulona oder im finsteren Schatten des Untergrund, an jeden Brand oder Umzug, mit allen unseren Blicken auf den gemeinsamen Himmel gerichtet. Und sein Morgenrot ist unser Sieg. Unser Tag wird kommen...

 

Aus allen diesen Gründen und als minimaler Beitrag zum Angriff und zur Solidarität bekennen wir uns zur Aufgabe von 14 Brandumschlägen an folgende Adressen:

 

Botschaft Belgien, Mexiko, Chile, Deutschland, Frankreich, Schweiz, Bulgarien, Russland, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, der italienische Premierminister Silvio Berlusconi, der französische Präsident Nicolas Sarkozy, der europäische Gerichtshof, Eurojust, Europol

 

*An diesen Stellen ist die mir, mc, vorliegende italienische Version besonders vage bzw. Unsicher.

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