Den schmutzigen Krieg in Chiapas Stoppen! 10.04.2010 Demo in Bern

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In der letzten Zeit häufen sich in Chiapas die Übergriffe von Militär und Paramilitär gegenüber den Zapatistas. Die Zahl der politischen Gefangenen nimmt zu, Menschen werden bedroht, entführt, ermordet. Aus diesem Grund findet am 10. April 2010 in Bern um 14.00 Uhr bei der Heiliggeistkirche eine Solidemo statt, um 20 Uhr wird im Infoladen der Reitschule der Film "Der Aufstand der Würde" gezeigt.  

 

 

Den schmutzigen Krieg in Chiapas stoppen!
Für eine Welt in welche viele Welten passen!
¡Halto al guerra sucio en Chiapas!
¡Por un mundo donde quepan todos los mundos!

Am Anfang war der Aufstand…
Am 1. Januar 1994 hörte die Welt durch den Aufstand in Chiapas zum ersten Mal von den Zapatistas. Mit dem in Kraft treten des NAFTA Abkommens (North American Free Trade Agreement) zwischen Kanada, den USA und Mexiko begann der lange vorbereitete Aufstand der Zapatistas. Damals besetzte die mexikanische Guerilla Ejército Zapatista de Liberación Nacional (EZLN) mehrere Städte.
Heute gilt der Aufstand als wichtiger Impuls für die internationale Bewegung gegen die neoliberale Globalisierung. Mit dem Aufstand bezweckten die Zapatistas auf die Situation eines Grossteils der mexikanischen Bevölkerung insbesondere der indigenen Menschen aufmerksam zu machen. Diese sind auch heute noch von den Folgen der neoliberalen Globalisierung betroffen, im Konkreten: Lohnsklaverei, Hunger, Ausbeutung (Sweatshops), schlechte Gesundheitsversorgung, desolate Bildung, Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen und Rassismus.
Ein weiteres Problem bestand und besteht in den fehlenden Möglichkeiten der Partizipation an Entscheidungen, welche den Alltag betreffen, da die Entscheidungsgewalt in den Händen von wenigen Personen der Oberschicht liegt. Dies beschränkt sich nicht auf Mexiko, sondern ist Teil der kapitalistischen Herrschaft weltweit.



Wer sind die Zapatistas?
Am 17. November 1983 wurde die zapatistische Guerilla Ejército Zapatista de Liberación Nacional gegründet. Die folgenden Jahre waren sie vor allem mit dem Aufbau des Widerstandes beschäftigt. Es ging darum, die Leute zu organisieren und eine Basis zu schaffen für den Aufstand, welcher am 1. Januar 1994 begann. Vor dem Aufstand arbeitete ein Grossteil von ihnen als Lohnsklaven auf den Ländereien der wenigen Grossgrundbesitzer in Chiapas. Seit 1994 kämpfen die Zapatistas gegen Ausbeutung, Rassismus und Marginalisierung. Die indigen geprägte Bewegung besetzte Ländereien von Großgrundbesitzern und baute eigene Strukturen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Verwaltung und Wirtschaft auf. Ziel der Zapatistas ist eine basisdemokratische Gesellschaftsordnung. 1996 riefen sie zur Bildung einer „Internationalen der Hoffnung'' auf, um gemeinsam mit anderen Bewegungen für eine solidarische Weltgesellschaft zu kämpfen. 2005 starteten die Zapatistas ihre neueste Initiative, die eine neue Verfassung für Mexiko und die Stärkung des globalen Widerstandes gegen Kapitalismus durchsetzen soll. Bis heute reagiert die mexikanische Regierung mit Repression und Sabotage.

„Heute sagen wir: jYa Basta! Es reicht! Wir sind das Ergebnis von 500 Jahren Kampf. Zuerst gegen die Sklaverei und für die Unabhängigkeit von Spanien, dann um zu verhindern, daß der nordamerikanische Imperialismus uns verschlang, dann für die Verteidigung unserer Verfassung und um das französische Imperium von unserem Boden zu vertreiben. Danach wollte die Diktatur von Porfirio Diaz uns die gerechte Anwendung der Reformgesetze verweigern. Das Volk rebellierte und wählte seine eigenen Führer, nämlich Villa und Zapata, Männer, die aus der Armut kamen — wie wir, denen die elementarste Bildung vorenthalten wird, damit man uns als Kanonenfutter verwenden und uns die Reichtümer unseres Bodens entwenden kann. Und es interessiert keinen, daß wir vor Hunger oder an heilbaren Krankheiten sterben, daß wir nichts haben, absolut nichts. (...) Volk von Mexiko: Wir, integre und freie Männer und Frauen, sind uns bewußt, daß der Krieg, den wir erklären, ein letztes aber gerechtes Mittel ist. Die Diktatoren führen seit vielen Jahren einen nicht erklärten Vernichtungskrieg gegen unsere Völker. Deshalb bitten wir dich um deine entschlossene Beteiligung an diesem Kampf für Arbeit, Land, Obdach, Nahrung, Gesundheit, Bildung, Unabhängigkeit, Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit und Frieden. Wir erklären, daß wir nicht aufhören werden zu kämpfen, bevor wir die hier deklarierten Grundforderungen unseres Volkes erfüllt haben und eine Regierung in einem freien und demokratischen Land bilden können." (EZLN, Erste Erklärung ans der Selva Lakandona, 1994)

Chronologie
Nachdem die Zapatistas mehrere Städte eingenommen hatten wurden sie vom mexikanischen Staat und seinem Militär brutal angegriffen. Einige hundert Menschen starben dabei. Durch die breite Solidaritätswelle in der zivilen Bevölkerung, welche die Forderung aufstellten die Waffen nieder zu legen und in einen Dialog einzutreten, kam es zu einem mehr oder weniger Einseitigen Waffenstillstand zwischen der EZLN und dem mexikanischen Staat. Seit diesem Zeitpunkt führt die EZLN keine offensiven, militärischen Aktionen mehr durch. Der mexikanische Staat hingegen überzieht die Region Chiapas mit einem schmutzigen Krieg.
In diesem Krieg arbeitet die Armee und der Staat Hand in Hand mit paramilitärischen Gruppen. Diese sind verantwortlich für Entführungen, Massaker, Vertreibungen, Bedrohungen und Vergewaltigungen in den zapatistischen Gebieten. Das Militär hat seine Präsenz seit dem Aufstand massiv erhöht, zwar wurden offensichtliche Posten und Lager aufgelöst, dafür jedoch eine Vielzahl von Stützpunkten im Hinterland eröffnet. Indigene Gruppen werden von der Regierung gegeneinander ausgespielt und falsche Vorwürfe insbesondere was Drogenanbau betrifft gegenüber den Zapatistas erhoben.
Unter Calderon, dem momentanen Präsidenten von Mexiko haben die paramilitärischen Aktivitäten und die Bewegungen der Armee wieder deutlich zugenommen. In ganz Mexiko findet momentan eine Kriminalisierung der sozialen Bewegungen statt, welche natürlich auch in Chiapas ihre Spuren hinterlässt. Aktuell ist die Situation wieder sehr angespannt, es vergeht kaum eine Woche ohne Entführungen, Bedrohungen und Verhaftungen von Zapatistas und anderen AktivistInnen.

Geografie
Chiapas ist der südlichste Bundesstaat von Mexiko (seit 1824, davor zu Guatemala gehörend). Geographisch ist Chiapas eher Teil von Mittelamerika. Fläche: 75.600 km² (3,8 % der Fläche Mexikos)

Bevölkerung: 4,5 Mio. (2007, ca. 4 % der mexikanischen Bevölkerung), mit einem indigenen Anteil von 30-40% ist Chiapas der Bundesstaat mit dem höchsten Anteil indigener Bevölkerung. Die zahlenmäßig bedeutsamsten Ethnien in Chiapas sind Tseltal, Tsotsil, Ch´ol, und Tojol-ab´al. Weitere Ethnien sind Zoque, Chuj, Kanjobal, Mam, Jacalteco, Mochó, Cakchiquel, Maya Caribe („Neolacandonen“). Insgesamt sind 12 der 62 indigenen Gruppen Mexikos in Chiapas präsent.
Natur und Umwelt: In Chiapas gibt es viele verschiedene Klimazonen, mit tropischem Regenwald und Laub-Nadelbaum-Mischwald. Die grossen Höhenunterschiede teilen den Bundesstaat in verschiedene Klimazonen (bspw. San Cristóbal: zentrales Hochland, 2.100 m, Durchschnittstemperatur 14,5 °C, in der 60 km entfernten Hauptstadt Tuxtla Gutierrez: 500 m, 20 °C). Regenzeit ist von April bis Dezember.

Wirtschaft: Chiapas liegt unter den mexikanischen Bundesstaaten nach Veracruz auf Platz 2 in der Agrarproduktion und ist beispielsweise führend bei Kaffee und Bananen. Ferner von Bedeutung sind Wasserkraft (40% von Mexiko, z.T. Stromexport) sowie Ressourcen: Erdöl, Uran, Holz, Biodiversität (insbes. Selva Lacandona).
Chiapas ist „ein reiches Land mit armen Menschen“ (T. Benjamin, 1996), denn:
•Zwei Drittel der Bevölkerung sind unter- oder fehlernährt.
•Erkältung und Durchfall gehören zu den häufigsten Todesursachen und sind ein wesentlicher Grund für die hohe Kindersterblichkeit.
•In den ländlichen Gebieten kommt statistisch gesehen ca. 1 Arzt auf 25.000 EinwohnerInnen (welche zudem weitflächig verteilt sind).
•Schlechte Lebensbedingungen für die ländliche Bevölkerung (Holzhütten ohne Fußboden, kein sauberes Trinkwasser, kein Strom, keine Schulen, keine Gesundheitsfürsorge).
Im inner-mexikanischen Vergleich ist Chiapas der Bundesstaat mit der ärmsten und marginalisiertesten Bevölkerung.

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