Italien: vier GefährtInnen wurden im Laufe der Auseinandersetzungen um das TAV-Projekt verhaftet

Veröffentlicht auf von Anarchistische Aktion Zentralschweiz

http://www.abc-berlin.net/wp-content/uploads/2011/07/Angriff-w%C3%A4hrend-der-Auseinandersetzungen-um-das-TAV-Projekt-250x167.jpgDie italienische Region Piemont war innerhalb der letzten Wochen wieder Schauplatz vermehrter Aktionen des Widerstands und Angriffs gegen das TAV-Projekt: dieses sieht den Bau einer Schnellzuglinie zwischen Turin und Lyon (Frankreich) vor, welche die Zerstörung der Landschaft und der Dörfer im Tal Val di Susa im Nordwesten Italiens vorantreiben wird.

 

Schon seit den Neunzierjahren wehren sich widerständige AnwohnerInnen gegen das hundertste, unnötige Großbauprojekt: Selbstorganisierung, direkte Aktionen, Sabotagen, Ablehnung von PolitikerInnen kennzeichnen ihr Engagement. Anarchistische, libertäre und andere unzufriedene GefährtInnen sind vom Anfang an an diesem Kampf beteiligt: schon im Dezember 2005 wurde gemeinsam die Polizei – als Besatzertruppe bezeichnet – aus dem Val di Susa von GenossInnen und AnwohnerInnen erfolgreich vertrieben, als mit dem Bau begonnen werden sollte. Weitere Versuche seitens der Regierung die Arbeiten aufzunehmen, scheiterten an dem konsequenten Widerstand. Nun wurde klar, daß die Arbeiten bis zum 30. Juni diesen Jahres begonnen werden müssen, sonst wäre die EU-Finanzierung geplatzt: deshalb wurde zur Reise nach Susa aufgerufen, um das Tal zu verteidigen.
 
Nach dem Modell der „Freien Republik Wendland“ wurde einen Monat lang ein selbstorganisiertes Dorf – die „Freie Republik La Maddalena“ – aufgebaut, wo Austausch, Veranstaltungen, Vorbereitungen der Aktionen usw. stattfanden. Dieser autonome, permanente Standort, umzingelt von Barrikaden, wurde wie versprochen am Morgen des 27. Juni von 2.500 Staatsbütteln von Polizei, Carabinieri und Guardia di Finanza angegriffen: stundenlang dauerte die Räumung der Barrikaden, Blockaden der Autobahn fanden statt und die Widerständigen setzten sich mit der Brutalität der Besatzertruppen auseinander: Tränengas und Knüppel wurden reichlich verteilt, die Menschen wurden in die Wälder getrieben. In ganz Italien fanden am Tag der Räumung solidarische Aktionen statt.

Für den 3. Juli wurde dazu aufgerufen sich den Standort wieder zu erobern und die Bauarbeiten zu stoppen: 50.000 Menschen beantworteten mit ihrer Anwesenheit den Aufruf. Mehrere Hunderte blockierten die Straßen und griffen aus den Wäldern heraus die 1.000 PolizistInnen mit Steinen, Zwillen und allem was sie zur Verfügung hatten an. Die Staatsbüttel antworteten mit Tränengas, Knüppeln und sogar Gummischrott, was in Italien nicht gestattet ist und von den Bullen nach wie vor nicht zugegeben wird. Mehrere Menschen wurden schwer verletzt und erlitten Knochenbrüche und Schädeltraumas. Die hysterischen Medien reaktivierten prompt die Legende der ausländischen black blocs und einheimischen anarchistischen Hooligans. Sie erzählten, daß die GewalttäterInnen mit den Protesten im Val di Susa nichts zu tun hätten und sie hätten diese mal wieder infiltriert: die gleichen Märchen, die seit Genua 2001 gerne wiederholt werden, um eine Spaltung innerhalb des Widerstands zu provozieren und die Tatsache zu leugnen, daß diese vielfältige Bewegung auch auseinandersetzungsfreudig ist, mit AnarchistInnen oder nicht. Innerhalb der No-TAV-Bewegung kommt es zu keinerlei Distanzierungen bzgl. der notwendigen Auseinandersetzungen. Die Polizei behauptet anhand von reichlichem Videomaterial in der Lage zu sein über 300 GewalttäterInnen identifizieren zu können. Im Laufe der Aktionen wurden vier anarchistische GefährtInnen verhaftet: sie wurden verprügelt und erhielten gebrochene Knochen, Schädeltraumas, Bedrohungen und Erniedrigungen. Sie wurden dem Haftrichter vorgeführt und in den Knast in Turin verfrachtet: die Vier sollen für den Widerstand Tausender zahlen.

Von Seiten der No-TAV-Bewegung wird zur Solidarität mit ihnen aufgerufen, und wir können uns da nur anschließen: wir veröffentlichen hier ihre Adressen. Wir können noch nicht sagen, ob sie andere Sprachen als Italienisch sprechen, deshalb empfehlen wir erst einmal in einfachem Englisch zu schreiben und sich bei ihnen zu erkundigen, auf welchen Sprachen sie kommunizieren können. Sobald wir Updates haben, werden wir diese veröffentlichen. Sonst kennt die Sprache der aktiven Solidarität keine Beschränkungen.

 

Marta Bifani
Casa circondariale “Lorusso e Cutugno”
via Pianezza 300
10151 Torino
Italien

Roberto Nadalin
Casa circondariale “Lorusso e Cutugno”
via Pianezza 300
10151 Torino
Italien

Salvatore Soru
Casa circondariale “Lorusso e Cutugno”
via Pianezza 300
10151 Torino
Italien

Gianluca Ferrari
Casa circondariale “Lorusso e Cutugno”
via Pianezza 300
10151 Torino Italien

von ABC Berlin

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