Kämpferin ermordet

Veröffentlicht auf von Anarchistische Aktion Zentralschweiz

Am 7. März erfuhren wir vom Tod einer Aktivistin der Mieterhttp://syndikalismus.files.wordpress.com/2010/12/zsp.pngInnenbewegung. Jolanta Brzeska wurde tot in den Wäldern von Warschau gefunden.

Ihr Körper war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt und es ist unklar ob sie bereits tot oder noch lebendig war, als es geschah.

Die 64 Jahre alte Jola war eine Gründerin der Warschauer MieterInnenbewegung. Als engagierte Aktivistin konnte sie gut sprechen, sie ging zu allen Demonstrationen, blockierte Versammlungen und half anderen MieterInnen. Sie persönlich befand sich in einer Schlacht mit Warschaus berüchtigsten »slumlord« Marek Mossokowski [1], denn sie war die letzte Mieterin in einem für ihn wertvollen Objekt. Ursprünglich war das Haus nicht in Privatbesitz sondern in öffentlicher Hand; jola hatte schon sehr lange darin gewohnt. Die Gegend war für Anleger sehr attraktiv; die bauten luxuriöse Wohnungen mit einem Kaufpreis von 5000 € pro Quadratmeter direkt neben Jolas Haus. Die Tortur begann als eines Tages 10 fremde Männer an ihre Tür klopften. So fand sie heraus, dass ihre städtische Wohnung in private Hände gefallen war.

Tausende in Warschau erhielten diese schockierende Nachricht, denn die Stadt informiert niemanden über ihre Pläne. . Wahrscheinlich erfahren die meisten MieterInnen von der Privatisierung ihrer Wohnung erst nach Abschluss des Verkaufsvertrages [2].

Marek Mossakowski ist ein so berüchtigter Grundeigentümer, dass ihn sogar die neoliberalen Architekten der Privatisierung verdammen. Sein Hobby ist es Ansprüche auf Grundeigentum zu erwerben. Noch vor einigen Jahren kamen die Mensch nur sehr schwer an verstaatlichtes Grundeigentum zu, selbst wenn sie die Wohnung oder das Haus vor dem 2. Weltkrieg besessen hatten. Ohne Beziehungen ist es heute noch schwer an diese Wohnungen zu gelangen. Von Mossakowski ist bekannt, dass er Grundeigentum für 50 Zloty (12.5 Euro) gekauft hat, wofür er später 1.25 Millionen Euro verlangte [3].

Dieser »slumlord« ist für die skrupellosen Methoden bekannt mit denen er Menschen aus ihren Wohnungen vertreibt. Zuerst versucht er es mit Mieterhöhungen und zusätzlichen Kosten, wenn das nichts hilft, hat er andere Methoden parat. Im Fall von Jolas Haus, bekamen die MieterInnen kurz nach Mossakowskis Antrittsbesuch einen Brief. Darin behauptete er, dass sich die MieterInnen aufgrund der Privatisierung »illegal« in dem Gebäude befinden. Da sie nun illegal in den Wohnungen wären, müssten sie ihm zu ihrer Miete noch eine Entschädigung von bis zu 500 Euro monatlich zahlen.

Jola wusste dass dieses Vorgehen ungesetzlich ist und weigerte sich zu zahlen. Wie bei vielen anderen in ihrer Situation war die Miete nun höher als die Rente; Jola bekam zuletzt ungefähr 350 Euro monatlich. Als sie sich weigerte zu zahlen begann für sie der Terror. Mossakowski versuchte in ihre Wohnung einzubrechen und die Wohnung bei der Stadt als seine Erstwohnung registrieren zu lassen.

Im Gegensatz zu Jola, die von der Stadt keine neue Wohnung zugewiesen bekam, wohnte der Millionär und Grundbesitzer Mossakowski in einer Wohnung der Stadt. Niemand weiß ober er wirklich dort lebt, zumindest mietet er sie.

Auf der einen Seite privatisiert die Stadt Wohnungen, auf der anderen Seite stellt sie zu wenig Ersatz zur Verfügung. Letztes Jahr vergab die Stadt nur 90 Wohnungen. Wenn Menschen in eine solche Situation geraten, schaut die Stadt auf deren Einkommen. Da die Bemessungsgrenze zu niedrig ist, erhalten nur sehr wenige Menschen Ersatzwohnungen. Die für die Zerstörung des öffentlichen Wohnsektors verantwortlichen Bürokraten erdenken alle nur möglichen Gründe um die Vergabe zu verhindern und verstoßen dabei sogar gegen Gesetze. Jola bekam keine Ersatzwohnung, da ihre Tochter eine Wohnung hatte. Eigentlich ist das irrelevant, aber in einigen Städte sagt man Leuten, die ihre Wohnung verlieren, sie sollen bei ihren Kindern oder bei ihren Eltern wohnen.

Jola hat die ganze Situation wütend gemacht und sie hat für den Wandel der Politik eingetreten, damit andere nicht durch das gehen müssen was sie erlebt. Unabhängig davon dass ihr Fall vor Gericht noch verhandelt wurde, erhob Mossakowski Forderungen über 20.000 Euro. Als Jola starb, war sie die letzte MieterIn in dem Haus.

Jolas Tochter berichtet, dass sie auf sehr mysteriöse Weise verschwunden ist. Kurz danach teilte man der Tochter mit, dass am Tag des Verschwindens ihrer Mutter ein verbrannter Leichnam gefunden worden war.
Jola war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, doch die Wohnungsschlüssel, die Brille und das Hörgerät konnten identifiziert werden.

Niemand weiß, ob die Polizei ein Interesse daran hat den Fall aufzuklären. Obwohl alles auf einen ungewöhnlich brutalen Mord hindeutet, zieht die Polizei abwegige Möglichkeiten wie Selbstmord oder die Mitgliedschaft in einem Kult in Betracht. Es ist unklar ob die Polizei ein bestimmtes Interesse daran hat, die Untersuchungen in diese abwegigen Richtung zu delegieren.

Eines steht fest: die in der MieterInnenbewegung beteiligten Menschen machen die Politik, die BewohnerInnen öffentlichen Eigentums in die Hände von skrupellosen Maklern und ausbeuterischen Grundeigentümer fallen läßt, für den Tod Jolas verantwortlich. Wir werden Jola und ihre kämpferische Hingabe nie vergessen, und den Kampf, den sie geführt hat, mit größerem Eifer weiterführen.

Kein Vergeben, kein Vergessen!

 

ZSP Warschau

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