Nachricht von Billy

Veröffentlicht auf von Anarchistische Aktion Zentralschweiz

Von: Villa Vegan Squat – villavegansquat@inventati.org – an: solidali@autistici.org  

It. - Dt.: m.c., Lager Orbe

 

Hallo an alle, das ist der Maschinen geschriebene Text des Dokus von Billy übers Nukleare, habe ihn einfach abgeschrieben aber frei von Korrekturen und Verbesserungen, er ist frei verfügbar, zur Veröffentlichung etc.!!! (...) xxx (eine Genossin)

 

24 Jahre sind seit Tschernobyl vergangen. Es ging ziemlich lange, bis die Menschheit ihren Rausch guter Vorsätze und schöner Versprechen einer friedlichen vom atomaren Zeitalter befreiten Zukunft endlich ganz ausgeschlafen hat.

Nun können wir endlich wieder übers Nukleare reden!

Wenn wir uns umschauen, scheint es ziemlich überall so zu sein. In Italien fühlen sich die Politiker wie noch nie dazu berufen, es zu relancieren, in Deutschland hingegen wollen sie es nicht anhalten und setzen Betriebsverlängerung alter Anlagen durch, während in Frankreich und vielen anderen Ländern fröhlich neue Anlagen geplant werden. Die EU-Kommission weist darauf hin, dass man nach 50 Jahre seit der Inbetriebnahme das ersten Atomkraftwerks immer noch nicht so recht weiss, wohin mit den mindestens 7'000 Kubikmeter radioaktiver Abfälle, die jährlich von den AKW's produziert werden.

Aber das scheint ein aufschiebbares Problem zu sein und es wird zur Zeit immer noch den halb staatlichen Mafias überlassen; denn in den Meeren hat es ja genug Platz und es gibt ja nicht nur die Gewässer Somalias um Abfälle rein zuwerfen, wo nun leider Piraten das Abladen stören...

Allgemeine Zustimmung herrscht hingegen über eine unaufschiebbare Frage: die Erhöhung der Energieproduktion.

Denn wir sind doch nicht mehr im Mittelalter, wo zum Überleben Essen nötig war, nun sind wir doch im westlicher geht's nicht mehr 2010 und was nötig ist, ist Energie zur Fütterung der Maschinen und der Ökonomie.

Aber wieso genügten uns nur 2½ Jahrzehnte um das Desaster von Tschernobyl abzuhaken und sogar das Image vom sauberen und sicheren Atomstrom aufzupolieren?

Vielleicht weil in diesen Jahrzehnten vor allem in der „Mainstreambewegung“ und im eher mediatisierten Dissens es immer eine starke Tendenz gab, die Ablehnung auf der nach der unerhörten Tragödie der ukrainischen Anlage auf steigenden Flutwelle der Gefühle aufzubauen, fast schon a priori unter Ausschluss einer über die Kraftwerke hinausgehende Kritik und unter Vernachlässigung der Verbreitung von Grundlagen für ein tieferes Verständnis der Schädlichkeiten, die mit der Manipulierung der Materie einhergehen.

Wir sind von den bürgerlichen-aufklärerischen Wertvorstellungen wirtschaftlichen Wohlstands und den Institutionen als grundlegende Tatsache und der Überlegenheit des menschlichen Gehirns über alles andere dermassen durchdrungen, und auch von den Mythen der Überwindung unseres „bestialischen“ Zustandes dank eines guten und notwendigen wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts dermassen geblendet, dass:

Die im Rampenlicht stehenden Umweltschutzbewegung nicht hinter die Kühltürme schauten, es nicht konnten oder nicht wollten, um nicht nur das Wesen des Atomaren sondern auch den Run auf Energieproduktion und technologisch-industriellen Fortschritt im Allgemeinen in Frage zu stellen.

Heute kehrt das Nukleare von den Kritiken der Vergangenheit schon fast gestärkt und immunisiert zurück. Wem die Sicherheitsfrage stellte, antwortete es mit fünf Generationen von immer sichereren (so sagen sie) Kraftwerken, und mit einem Medienapparat, der gut abgerichtet wurde damit er die Unfälle und Komplikationen des Atomalltags nicht verbreitet. Wer die Frage der unmöglichen Beseitigung der Abfälle stellte, erhielt zur Antwort es würden hyperbetonierte Anlagen in der Erdkruste geplant um sie sicher zu vergraben. Wer die Frage der Sorgfalt der Kraftwerke gegenüber den Massen an zu allem bereite Kamikazes stellte, für die haben wir prompt zuhauf Zivilschutzübungen, Evakuationspläne, massive Militarisierung der Gebiete und Militärsingenieurskunst, die nur darauf wartete, Finanzierungen zur Forschung und Entwicklung neuer Technologien zur „Friedenssicherung“ zu erhalten.

Eins nach dem anderen wurden die Argumente der Umweltschützerinnen durch die Propaganda entkräftet und nicht wenige „Grüne“ wurden so überzeugt, Atom als eine der guten Alternativenergien zu akzeptieren.

So bleiben auf dem Terrain nur die üblichen ExtremistInnen, FanatikerInnen, ideologisierten Umweltschützerinnen übrig, die sich gewalttätig mit einem Staat auseinandersetzen, der doch nur die legitimen Wachstums und Wohlstandsintressen des Landes verteidigen. Ideologie gegen Vernunft.

In der Schweiz gedeiht das Atomare, aber manchmal sieht es so aus, als würden wir es vergessen.

Der Eindruck ist, dass Parteien und Institutionen die Karte des „schauen wir nach vorne und vergessen wir die Gegenwart“ ausspielen; da es keinen wirklichen und starken Widerstand gegen die laufenden Kernkraftwerke und die Pläne zukünftiger Investitionen gibt, agieren sie präventiv durch die Einvernahme oder Ablenkung jeglicher Aufmerksamkeit auf das Problem, um uns mit den aussichtsreichen Chancen der erneuerbaren Energien abzulenken. Zur Täuschung bombardieren sie uns mit dem einen oder anderen Forscher, der eine oder die andere nachhaltige Energie erforscht oder entwickelt... und so wenden sich alle von der Schneise der Verheerung, den sorgfältig verschwiegenen sozialen und ökologischen Desastern ab, vom Uranabbau und Gebrauch, um sich hingegen im Versprechen Sonnenenergie, Windenergie, Biomasse zu suhlen, die an Nachhaltigkeit wenn überhaupt dann das Tempo aufweisen, mit dem sie uns weiter schnurstraks in den biologischen Kollaps führen.

Das ist alles bloss ihre Propaganda, wir sollten es endlich begriffen haben, um uns die Zukunft zu verkaufen, die sie schon für uns bestimmt haben.

Unsere Pflicht ist uns einzusetzen, die Kämpfe zu verfolgen und vermehren, die in Deutschland und Frankreich entstehen und wachsen; aktiv an den Widerständen teilnehmen, die in Italien im Aufbau begriffen sind, weil ein Reaktor in der Gegend von Piacenza und ein zweiter in der von Mantua uns was angehen, und wie!!

Sich einbringen durch Teilnahme und Herstellung von Kontakten und im Tessin das bekanntmachen, was sie um uns aufbauen und wie sehr uns das was angeht.

Uns wieder auf den Weg machen und Atom in der Schweiz erneut in Frage stellen, durch die Knüpfung von Kontakten und dem Aufbau gemeinsamer Wege südlich des Kantons und nördlich vom Gotthard, weil die gesellschaftlichen und ökologischen Verheerung des Nuklearen keine Grenzen kennen.

 

Es liegt an uns!

 

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