Solidaritätsbotschaft von Silvia

Veröffentlicht auf von Anarchistische Aktion Zentralschweiz

IN SOLIDARITÄT MIT DEN IN CHILE (CASO BOMBAS) AM 14. AUGUST VERHAFTETEN 14 ANARCHISTINNEN MIT ALLEN CHILENISCHEN UND MAPUCHE POLITISCHEN GEFANGENEN, MIT ALLEN KÄMPFENDEN INDIGENEN VÖLKERN

 

Von aussen erhalte ich leider wegen der äusserst lange dauernden Zensur nur fragmentarische Infos über einen starken repressiven Schlag in Chile mit vielen verhafteten anarchistischen Genossinnen und über einen Hungerstreik der gefangenen Mapuche.

Obwohl ich die aktuelle Lage nicht genau kenne möchte ich mit diesen Zeilen meine ganze Solidarität und Nähe zu allen verhafteten chilenischen Genossinnen und den hungerstreikenden gefangenen Mapuche übermitteln. Auf das meine Botschaft diese Gitter überwinde und bis in die chilenischen und argentinischen Knäste gelange...

Ich ergreife die Gelegenheit zu einigen kurzen Überlegungen.

Das Volk der Mapuche setzt sich tagtäglich mit der Repression und Gewalt des Staates und dessen „carabineros“ auseinander, mit der Enteignung ihrer Gebiete und der Macht der Multis wie Benetton. Von Protesten mit Mahnwachen, Strassenblockaden und Demos ausgehend, wurde der Kampf mit den vielen Angriffen und Sabotagen jener stärker und breiter, die nicht mehr bereit sind die Herrschaft des Staates und von Multis wie Benetton über ihre ursprüngliche Gebiete und ihre eigenen Leben passiv zu erleiden. Einen wichtigen qualitativen Sprung nach vorne können wir auch in Chile feststellen, mit sehr vielen Aktionen, Bekennungen und immer vertiefteren analytischen Schreiben und Reflexionen. Wahrlich wichtige und bedeutende Beiträge für ein Wachstum der gesamten internationalen revolutionären Bewegung.

Zahlreich sind die Angriffe des FLA (Frente de Liberacion Animal) und FLT (Frente de Liberacion de la Tierra) gegen Metzgereien, Tierzuchtanstalten, Telefonantennen, Masten, Forschungsanstalten... mit einer Botschaft gegen jeden Autoritarismus und Speziesismus.

„(...) Wir betrachten die Technologie als Mittel zu Förderung der Entfremdung und Kontrolle der Mächtigen über die Ausgebeuteten. (...)Wir könnten noch viel mehr sagen über die oberflächlichen Beziehungen, die von den Technologien vorangetrieben werden die definitiv nicht neutral sind“ ( Von einer Aktion gegen eine Mobiltelefonantenne der „Banda Salvaje e Insurrecta en Guerra Contra la Dominacion“, Mai 2010, Santiago del Chile)

„(...) Tausende Tiere werden täglich von der Mastindustrie und von der menschlichen Gier ermordet, die gerechtfertigt wird durch die Idee, dass Tiere Ressourcen zum Wohle der Menschen sind. Weder die falschen Absichten hinter einer guten Ernährung, noch der Wille eines falschen Gottes rechtfertigen den täglichen Genozid der Fleischindustrie. Darum findet Speziesismus einzig und allein im Autoritarismus seine Rechtfertigung, auch wenn es vielen einige Mühe bereitet es einzugestehen.“ (Aus einer Aktion gegen eine Metzgerei, FLA, Mai 2010, Santiago del Chile).

Wir müssen uns vor der Gefahr einfacher Mythisierungen hüten in dem wir die Urvölker und Kämpfe in anderen Ländern in ein fremdes und exotisches Mäntelchen hüllen, um hingegen im Bewusstsein auch der Unterschiede den Wert und die Bedeutung ihrer Kämpfe anzuerkennen. Aber wir sollten uns nicht nur darauf beschränken, auf die Revolten anzustossen, die in anderen Ländern ausbrechen, und uns hinter der Tatsache verstecken, dass es sich um von den unseren unterschiedlichen Kontexten handelt, was bloss Rechtfertigungen zur Weiterführung unseres bequemen Alltags sind. Es ist einfach Zuschauerin vor einem Computerbildschirm zu sein, auf einem weichen Sessel, viel schwieriger ist es aufzustehen und die eigenen radikalen Worte in Praxis umzusetzen. Es gibt keine Ausflüchte, wir kennen die direkten Verantwortlichen der andauernden Ausbeutung und Zerstörung. Aber diese Bewusstheit muss mit der Analyse der aktuellen Herrschaftsverhältnisse und der Verbindung unter allen Ausbeutungsformen vereint werden, um einen langfristigen Kampf aufzubauen.

Ein zeitlich unsteter Widerstand, der auf Grund momentaner „Tendenzen“ von einem Ziel zum anderen springt, und sich nur von einem momentanen und flüchtigen Enthusiasmus tragen lässt, kann nie zum starken Kampf werden mit der Fähigkeit, die Grundlagen dieses Systems anzugreifen.

 

Die letzte übrig gebliebenen Stämme sind, in der Verteidigung ihrer ursprünglichen Gebiete und somit ihres Überlebens, ein Bollwerk in der Verteidigung der letzten Biosphären, die der Ausbeutung und Zerstörung noch entgangen sind. Den Biotechmultis, für die Produktion von Soja, Mais, Zucker, Palmöl, Biotreibstoffen...Den Holzbau-, Erdöl-, Wasserkraftunternehmen. Der Gewinnung seltener und kostbarer Metalle für elektronische Bestandteile, dem unterirdischen und Tagesabbau von Kohle...Was einige Beispiele der unendlichen Verheerung sind, die bis ins Innerste dieser Erde reicht, als Tentakel dieses industriellen und technologischen Ungeheuers auf der unendlichen Suche nach neuen Energieressourcen und Rohstoffen um weiter zu überleben. Diese Tentakel abzutrennen ist unsere Aufgabe...

An der Seite der Stämme des Amazonas, der Mapuche, der BäuerInnen Indiens, der Kämpfer im Niger delta...

Gegen das Imperium Benetton, jeden Multi und dieses Todessystem. Gegen alle Repression und die Unterdrückung und Ausrottung der ursprünglichen Völker.

Auch zum Gedenken an unsere im Kampf Gefallenen wie der Genosse Mauricio Morales, der im Feuer des Kampfes, in den Augen und Herzen aller KämpferInnen immer weiterleben wird...

Jenem Mond des Saturns, den die australischen UreinwohnerInnen immer noch im Himmel leuchten sehen...

Jenem leisen Klang aus dem Innersten der Erde...

Kaum hörbare Echos urtümlicher Melodien und rhythmischer Klänge, zeitlos, raumlos, antike Schlachtlieder erschallen erneut und entzünden den Mut aller Seelen zum Kampf...

 

Silvia Guerini, Knast Biel, Schweiz, Oktober 2010

 

Dieser Text entspricht selbstverständlich Sinn und Inhalt unseres kollektiven Hungerstreiks 10.-30. September 2010 voll und ganz! d. Üb. m.c.

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